Wo die Erde stinkt und raucht

An einem Freitag Abend ging es los in Richtung See Myvatn (Mückensee). Nach einem kurzen Zwischenstopp am Goðafoss (Wasserfall der Götter), 2 Stunden Fahrt durch verschneite Winterlandschaft und über dick vereiste Straßen kamen wir bei minus 10 Grad in unserem Gästehaus an.
Gleich am nächsten Morgen sind wir losgezogen, um durch 2000 Jahre alte Lavagesteinslandschaften zu wandern und uns  bizarre Lavaformationen anzusehen. Es war schon ein bisschen unheimlich, wir waren die einzigen Lebewesen, die in dieser Kälte dort unterwegs waren, manchmal kamen wir uns vor, wie in einem schwarzweißen Stummfilm. Wenn man dazu dann auch noch weiß, dass es, wie die Isländer behaupten, Elfen und Trolle gibt, fängt man automatisch an, hinter jedem Stein eines dieser Fabelwesen zu vermuten.
Weiter ging es nach Hverir am Fuße des Berges Námafjall. Hverir ist ein Hochtemperaturgebiet mit nach Schwefel stinkenden Dampf- und Schlammquellen. In diesem Gebiet öffnet sich die Erde in den Quellen bis zu 1000 Meter und die Temperatur kann dadurch bis zu 200°C erreichen. Außerdem ist die Erdkruste sehr dünn und es wird beim Verlassen der Wege vor dem Einbrechen gewarnt. Wir haben uns also auf sehr dünnem Eis bewegt. Es war gigantisch, wie die „Minivulkane“ geraucht und gezischt haben und die Schlammlöcher vor sich hin brodelten.
Unsere Entdeckungsreise führte uns in das Gebiet des Vulkanes Krafla. Als wir an einem seiner Krater ankamen, dem Kratersee Vìti (Eingang zur Hölle) mussten wir allerdings feststellen, dass ungefähr 500 Höhenmeter die Temperatur noch mehr in die Tiefe rissen, es zu schneien begann und ein eiskalter Wind aufkam. Also brachen wir unsere Tour ab und flüchteten zum Aufwärmen in das Naturschwimmbad in der Nähe des Sees. Dieses Schwimmbad liegt ebenfalls im geothermalen Gebiet und wird von einer heißen Quelle gespeist.
Am Nächsten Morgen kam tatsächlich die Sonne raus aber die Temperaturen beharrten auf ihren minus 10°C im Tal. Also hieß es für uns so ziemlich alles anzuziehen was wir dabei hatten und ab auf den Vulkan. Schon auf der Fahrt sah man heute noch viel mehr heiße und dampfende Spalten als am Vortag und oben angekommen zischte und rauschte es rund um uns. Leider war der Eingang zur Hölle komplett vereist, also bestaunten wir den Krater nur kurz und machten uns dann wieder auf eine Wanderung in ein weiteres heißes Gebiet. Hier durchquerten wir die Lava des letzten Ausbruches (1984), welche noch nicht ganz erkaltet ist. Man konnte zwar schon darauf gehen, aber man sah auch immer wieder Stellen, an denen es noch kräftig dampft. Außerdem kamen wir wieder an heißen Quellen und brodelnden Schlammtöpfen vorbei.
Als wir frierend und müde wieder an unserem Auto ankamen, machten wir uns auf die Heimfahrt. Allerdings ließen wir es uns nicht nehmen, mit dem Geländewagen, den wir uns von Ásta (Sabines Chefin) geliehen hatten, mal richtig über eine Schotterpiste zu brettern. Mit dem Ergebnis, dass es zwar riesig Spaß gemacht hatte, wir aber dafür den ganzen Abend noch das Auto schrubben mussten.

Es war ein rundum gelungenes Wochenende an einer der Stellen in Island wo Feuer und Eis aufeinander prallen.

Bis bald,
Eure Sabine und Thorsten

This entry was posted on Donnerstag, Januar 31st, 2008 at 22:10 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

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