Nachthimmel über Akureyri

Die Winternächte auf Island sind lang, kalt und dunkel. Aber genau das Dunkle fasziniert uns hier. Fast täglich schauen wir abends raus, um zu sehen, ob Sterne am Himmel stehen. Wenn der Abend klar ist, ziehen wir uns sofort warm an, kochen einen heißen Tee, schnappen den Fotoapparat und sausen los. Besonders interessant ist es, wenn es rundherum dunkel ist und die Lichter der Stadt nicht stören. Nun muss man sich in Geduld üben, die Augen suchen gespannt den Himmel ab, manchmal dauert es nur wenige Augenblicke aber gelegentlich muss man auch mal eine Stunde warten.

Und dann, ganz plötzlich, beginnt es: der Tanz der Geister. Das Polarlicht kommt ganz langsam und schwach hinter einem Berg hervor und fängt an, sich immer länger als Bogen über den Fjord zu ziehen. Mit der Zeit wird die Farbe intensiver und es beginnt  sich zu bewegen. Es teilt sich in einzelne Arme auf, die sich wiederum miteinander verschlingen und die Bewegungen werden immer schneller.
Es ist unglaublich, wie man von einem Polarlicht verzaubert werden kann. Wir sind ganz alleine in der Dunkelheit, man hört außer dem Rauschen des Windes nichts und man schaut nur ganz begeistert in den Himmel und vergisst die Welt um sich herum.
Leider gibt es auch die anderen, erfolglosen Tage. Da steht man dann im schlimmsten Fall bei minus 15°C in der stürmischen Nacht und kann nur den Wolken zuschauen, wie sie sich immer weiter zusammen ziehen und an diesem Abend kein Polarlicht mehr durchlassen. Doch auch diese immer neuen Wolkenformationen haben ihren Reiz und es ist schön, die Lichter der Stadt in der Ferne leuchten zu sehen.
Langweilig wird die Jagd auf Polarlichter nie, jedes hat es eine andere Form oder bewegt sich anders. Außerdem sind wir noch darauf gespannt einmal ein rotes oder blaues Polarlicht zu sehen, bisher konnten wir nur grüne sichten.

Da ihr mit Sicherheit wissen wollt, wie es sein kann, dass hier der Himmel zu leuchten beginnt, bekommt ihr jetzt noch eine kurze Erklärung:
Durch zum Teil größere Turbulenzen auf der Sonnenoberfläche werden Plasmawolken mit extrem energiereich geladenen Teilchen aus dem Magnetfeld der Sonne in Richtung Erde geschleudert. Wenn diese Wolke auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre trifft, regt sie die dort vorhandenen Luftmoleküle zum Leuchten an.
Polarlichter treten hauptsächlich in den Polarregionen auf, weil die Teilchen der Plasmawolke vom Magnetfeld der Erde entlang den Magnetfeldlinien zu den geometrischen Polen gelenkt werden. Dort verläuft das Magnetfeld senkrecht zur Erdoberfläche und die Teilchen können in die Atmosphäre eintreten.

Es hört sich wahnsinnig kompliziert an – ist es mit Sicherheit auch – aber dafür sieht es spektakulär aus. Leider kommen all diejenigen, die uns im Sommer besuchen, nicht in diesen Genuss, denn dann wird es hier, dank der Mitternachtssonne, überhaupt nicht dunkel.

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal,
Eure Sabine und Thorsten

This entry was posted on Donnerstag, Februar 28th, 2008 at 22:14 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

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