Sommerurlaub Teil 1 – Die Vielfalt der Westfjorde

Tag 1
Gegen 13 Uhr begann endlich unser lang ersehnter Sommerurlaub. Bei vielen Wolken und Wind ging unsere Reise in Richtung Westfjorde los. In Brú mussten wir allerdings unsere Dachkonstruktion mich Reifen und Ersatzkanister noch einmal neu befestigen, da uns der Lärm durch den Spanngurt im Fahrtwind tierisch nervte.
Unser erstes Ziel war Holmavík, eine schöne Stadt am Wasser inmitten von Lupinien bewachsenen Bergen. Leider war das Hexereimuseum dort schon geschlossen und unsere Reise ging weiter nach Drangsnes mit der vorgelagerten Insel Grimsey.
Eine Sage erzählt, dass drei Trolle die Westfjorde vom Rest Islands abtrennen wollten. Dabei wurden sie aber von der aufgehenden Sonne überrascht. Eine Trollfrau schaffte es nicht mehr zurück in ihre Höhle und trennte aus Wut die Insel Grimsey von Drangsnes ab. Noch heute ist die Trollfrau in Drangsnes zu sehen.
Den Abend verbrachten wir in einem Hot Pot direkt am Meer.

Tag 2
Der Tag begann mit Frühstück bei strahlendem Sonnenschein.
Nachdem wieder alles verstaut war, brachen wir in Richtung Norðurfjörður auf. Die Straße führte uns an steilen Klippen und hohen Bergen vorbei.
Im kleinen Dorf Djúpavik gibt es außer einer verlassenen Heringsfabrik und ein paar dennoch bewohnten Häusern nicht zu sehen. Wir fuhren weiter bis nach Krossnes, einer heißen Quelle direkt am Steinstrand und genossen ein warmes Bad.
Unsere Reise führte uns über den Pass Steingrímsfjarðaheiði immer weiter in den Norden. Im Tal Kaldalón hatten wir freien Blick auf den Gletscher Drangsjökull. Er ist der einzige Gletscher Islands der wächst und nicht schrumpft.
Unser Nachtlager fanden wir am Rande einer Straße auf einer Wiese mit Ausblick über den Fjord Ísafjarðardjúp.

Tag 3
Morgens um 4 Uhr wurden wir durch ein rütteln am Auto geweckt. Es stellte sich heraus dass starker Wind aufgekommen war. Da aber noch nicht mal ein einziges Auto vorbei kam, konnten wir noch mal weiterschlafen.
Am Vormittag wärmten wir uns im Hot Pot von Reykjafjörður auf und besuchten anschließend die Ausgrabungsstätte und Kirche von Vatnsjförður. Nach einer kurzen Mittagspause mit Blick auf die Insel Vigur besichtigten wir das alte Bauernhaus Litla Bær.
Nach der vielen Fahrerei brauchten unsere Knochen ein bisschen Bewegung und wir sind in Suðavík einen Rundweg mit grandioser Aussicht gelaufen.
Leider findet jeder Tag ein Ende und wir machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Ganz im Fjordinneren fanden wir eine ruhige Stelle, genossen bei einem Spaziergang die Abendsonne und ließen den Tag beim Grillen ausklingen.

Tag 4
Juhuu – ein neuer Tag beginnt. Wir wurden von der Sonne geweckt und sind beim Blick auf die Uhr doch etwas erschrocken, denn es war erst 7 Uhr. Na gut, wer wach ist kann auch aufstehen – aber gemütlich! Erst frühstücken und dann ein ausgiebiges Sonnenbad. Nachdem dann auch alles wieder verstaut war ging es auf nach Isafjörður.
Von dort aus machten wir einen Bootsausflug auf die Insel Vigur. Dort bestaunten wir Islands einzige Windmühle und bekamen die Reinigung der Eiderentendaunen erklärt. Auf Vigur werden jährlich zwischen 50 und 60 kg Daunen gesammelt. Nachdem wir gesehen hatten wie viele Federn doch nur wenige Gramm sind, konnten wir uns vorstellen, wie viel das sein muss. Außerdem konnten wir auf der Insel Papageientaucher beobachten und uns von Küstenseeschwalben angreifen lassen.
Den Abend verbrachten wir in einem rustikalen und sehr leckeren Fischrestaurant.

Tag 5
Huch, haben wir noch Schlaf in den Augen oder ist es wirklich so nebelig?
Tatsache – Nebel! Um uns etwas davon abzulenken schrieben wir erst einmal einige Postkarten, packten den Rucksack und machten uns auf eine Wanderung. Wir kämpften uns bei Isafjörður durch ein schönes Tal, entlang an einem wilden Bach, immer weiter nach oben. Je höher wir kamen desto aufgewühlter und reißender wurde dieser Bach, aber wir mussten drüber. An einer einigermaßen geeigneten Stelle gelang es und auch, zwar mit nassen Füßen, aber wir waren auf der anderen Seite. Dort ging es immer weiter hoch und wir kamen durch den Nebel in die Sonne. Auf einer Hochebene umrundeten wir einen kleinen See und haben uns dann wieder an den Abstieg gemacht. Unten angekommen war leider die Brücke weggespült und wir mussten noch einmal ein ganzes Stück zurück, um bei einer Farm auf die andere Seite des Wassers zu gelangen.
Müde aber zufrieden ging es weiter nach Suðeyri, wo wir im Hot Pot alle Viere von uns streckten und danach einen genialen Schlafplatz fanden. Direkt am Meer mit Sonne bis halbzwölf.

Tag 6
Am 6. Tag führte uns unsere Reise nach Bolúngavík auf einen Aussichtsberg. Die Sicht war nicht ganz klar, aber wir konnten trotzdem das Wandergebiet Hornbjarg, das nur mit dem Boot zu erreichen ist, erkennen.
Danach waren wir an einem schönen schwarzen Sandstrand spazieren, bevor wieder eine längere Fahrt auf uns wartete.
Es führte uns nach Flateyri, ein verschlafenes Fischerdorf, das vor einigen Jahren von einer Lawine überrollt wurde. Es wurden ein riesiger Schutzwall am Hang errichtet, ansonsten gibt es dort nicht viel zu sehen.
Wir versuchten, einen Spaziergang an einem weißen Sandstrand zu machen, mussten aber aufgeben, da wir nach 5 Minuten von so vielen Küstenseeschwalben angegriffen wurden, dass es keinen Spaß mehr machte.
Dafür fanden wir eine schöne alte Kirche und verbrachten eine Nacht in einem Gästehaus bei Þingeyri, in dem unsere Bekannte Martina arbeitet.

Tag 7
Nach Verabschiedung von Martina besuchten wir am Vormittag den ältesten Botanischen Garten Islands. Außerdem fanden wir dort auch einen Torbogen aus Walknochen. Danach kam unser Jeep das erste Mal so richtig zum Einsatz. Wir fuhren einen Track um eine Halbinsel über Geröllbrocken, enge gewundene Straßen und unter überhängenden Felswänden vorbei. Es war teilweise eine herrliche Ruhe, da wir die meiste Zeit für uns alleine waren. Ausgerechnet an der engsten Stelle mussten dann aber 5 Geländewagen aneinander vorbei. Das war Millimeterarbeit!
Zurück nach Þingeyri ging es über den normalen Pass, aber nur, damit wir über einen alten Track wieder auf die andere Seite konnten. Auf dieser „Straße“ galt es erst einmal überhaupt den Weg zu finden, es war alles sehr zugewachsen und durch viele Kurven und Bäche etwas unübersichtlich. Aber wir schafften es und unser Jeep kämpfte sich auf einer schlechten und ausgefahrenen Schotter- und Schlammpiste immer weiter nach oben. Auf der anderen Seite runter war dagegen ein Kinderspiel und so kamen wir schnell zu unserem Nachtlager am Wasserfall Dynjandi. Dort sind wir noch hinaufgestiegen und genossen die Abendsonne.

Tag 8
Der Tag fing wie alle Tage zuvor auch mit strahlendem Sonnenschein an.
Frisch gestärkt machten fuhren wir zu einer Farm, auf der Martinas Freund arbeitet. Dort sind wir weit an einem teils Sand teils Steinstrand entlang gewandert und haben Korallen und riesige Schneckenhäuser gesammelt. Danach zeigte uns Heiko noch die Seehundkolonie, die sich bei der Farm angesiedelt hatte. Zum Schluss spielten wir noch mit dem farmeigenen Polarfuchswelpen.
Am Abend grillten wir bei immer noch strahlendem Sonnenschein und lauschten dem Rauschen des mächtigen Dynjandi.

Tag 9
Der Tag begann nicht so erfreulich wie die Tage zuvor. Das Auto war gepackt und wir freuten und auf neue Abenteuer, doch das Auto wollte nicht anspringen  Batterie leer! Wir fanden zwar gleich einen netten Isländer, der uns Starthilfe gab, allerdings mussten wir feststellen, dass unser Starthilfekabel nichts taugte. Glücklicherweise eilte uns ein Franzose mit einem besseren Kabel zur Hilfe und wir konnten los. Unser Kabel wanderte noch am selben Tag in den Müll.
Auf dem Weg nach Látrabjarg kamen wir am ältesten Stahlschiff Islands vorbei, das 1981 dort strandete.
Weiter ging es zum westlichsten Punkt Europas. Wäre die Sicht ein klein bisschen besser gewesen, hätten wir mit Sicherheit Amerika gesehen  Da dies natürlich nicht der Fall war, wanderten wir entlang der Steilklippen sehr weit nach oben und beobachteten immer wieder die lustigen Papageientaucher und andere Seevögel.
In Látrabjarg ist eine der größten Seevogelkolonien der Welt ansässig.
Abends schlugen wir nur 2 km entfernt unser Nachtlager auf und fuhren noch einmal zur Klippe. An diesem Abend konnten wir sehen, wie sich die Papageientaucher „bettfertig“ machten und dann nach und nach in ihren Erdlöchern verschwanden.

Tag 10
Da wir ja irgendwie für diesen Urlaub das schöne Wetter gepachtet hatten, begann auch der 10. Tag mit Sonne.
Unser Weg führte uns zu einem kilometerlangen weißen Sandstrand, der aus unendlich vielen ganz kleinen Muschelscherben bestand. Wir gingen lange spazieren und fuhren dann weiter nach Talknafjörður. Dort entspannten wir im Hot Pot. Anschließend ging es weiter zur verlassenen Künstlerfarm von Samúel Jónsson. Diese wird seit Jahren von einem deutschen Architekt in Kleinstarbeit wieder aufgebaut und restauriert. Im Garten stehen sehr kindlich aussehende Skulpturen.
Die Nacht verbrachten wir auf dem Zeltplatz in Bildudalur.

Tag 11
Tatsächlich gibt es auch in den Westfjorden etwas anderes wie Sonnenschein. Dicke Wolken, fieser Wind und Nieselregen begleiteten uns auf dem letzten Teil unserer Reise.
Wir fuhren die Südküste der Westfjorde entlang und müssen zugeben, dass es hier nach den vielen beeindruckenden Fjorden nichts viel zu sehen gibt. Die Landschaft war sehr karg und farblos. Trotzdem fanden wir eine Wanderung durch ein Flusstal, die uns zu einer Fundstelle von versteinerter Holzkohle führte.
Anschließend stürzten wir und in einen natürlichen Hot Pot direkt am Meer. Leider war gerade Ebbe, sonst hätte man sich zum Erfrischen ins kalte Meer stürzen können.
Nach einem ausgiebigen Bad machten wir uns zu einem dreitägigen Zwischenstopp in Akureyri auf.

Resümee
Nach 11 Tagen und ca. 2500 km sind wir von der Vielfältigkeit der Westfjorde begeistert. Es war eine Reise wert und wir werden mit Sicherheit wieder einmal einen Abstecher in diese Region Islands wagen.

Viele Grüße
Biene und Thorsten

This entry was posted on Dienstag, Juli 21st, 2009 at 20:04 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

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