Sommerurlaub Teil 2 – Hochland, Westmännerinseln und vieles mehr

Tag 1
Auf geht es in den zweiten Teil unseres Urlaubs. Gegen 14 Uhr begaben wir uns mit unserem Jeep auf ganz neues Terrain. Wir machten uns auf den beschwerlichen Weg ins Hochland. Von Akureyri aus führte uns die F821 immer weiter ins Fjordinnere und langsam aber stetig immer bergauf. Die Straße wurde immer schlechter und wir mussten einige Bäche überqueren. Die farbenfrohe Landschaft im Fjord wurde immer vegetationsloser. Auf 1300 Meter über dem Meeresspiegel angekommen, befanden wir uns in einer farblosen Stein- und Sandwüste. Diese Umgebung begleitete uns bis in unser Nachtlager bei Laugafell. Laugafell ist in dieser Wüste eine richtige Oase. Es entspringt eine heiße Quelle, Blumen blühen und Gras wächst um den natürlichen Hot Pot. Leider wurde die Idylle durch abertausende kleine Fliegen ein bisschen gestört. Da es so gut wie windstill war, klebten uns diese Dinger am Abend sogar in der Zahnpasta. Nach dem wohl verdienten Abendessen entspannten wir im Hot Pot und schlossen einige deutschsprachige Bekanntschaften.

Tag 2
Nachdem wir startklar waren, ging unsere Wüstenreise auf der Sprengisandur weiter und den ersten großen Fluss galt es zu durchqueren. Da es seit Tagen gutes Wetter war, führte der Fluss wenig Wasser und wir konnten ihn problemlos durchfahren. Nach einiger Zeit auf Stein-, Schotter- und Sandpisten kamen wir zur berüchtigten Fuhrt in Nydalur. Alle rieten uns im Vorfeld, diese Furt unbedingt am Vormittag zu durchqueren, da die Wasserstände Vormittags immer geringer sind. Von der Furt waren wir etwas enttäuscht. Der Fluss führte sehr wenig Wasser und war durch einige Kiesbänke übersichtlich zu durchfahren. Anschließend führte uns unsere Reise unzählige Kilometer weit über Schotter- und Wellblechpiste. Oft kam man wegen der tiefen Schlaglöcher und großen Steine nur langsam voran. Die Landschaft war so eintönig, dass man sich über jeden kleinen Moosbewachsenen Bachlauf oder Blümchen freute. Wir verließen die Sprengisandur über die F208 in Richtung Landmannalaugar. Es tauchten Mossbewachsene Berge und Lava auf. Wir hatten noch eine letzte Furt zu durchqueren und konnten in die bunte Bergwelt von Landmannalaugar eintauchen. Da auch hier eine heiße Quelle entspringt, konnten wir uns im natürlichen Hot Pot den Staub des Tages abwaschen.

Tag 3

Am Vormittag brachen wir zu einer Wanderung durch die bunten Berge von Landmannalaugar auf. Wir durchquerten ein Lavafeld, das ganz anders war als die Lavafelder, die wir bis dahin gesehen hatten. Die Lavasteine waren nicht so rau wie sonst, sondern eher glatt und glänzend. Danach eröffnete sich uns ein Tal mit ganz weichen Bergen, die in den unterschiedlichsten Farben schimmerten. Vorbei an einem Solfatarenfeld wanderten wir entlang eines Bachlaufes zurück zum Campingplatz. Hier ruhten wir uns im Hot Pot einige Zeit aus und trafen uns zum Kaffee mit zwei Bekannten aus Deutschland. Auf deren Anraten ging unsere Reise weiter. Auf einem Jeeptrack ohne Nummer kämpften wir uns immer weiter in den Süden. Diese Strecke hatte extreme Steigungen und war manchmal seitlich so abfällig, dass Sabine lieber gelaufen ist. Wir glaubten uns schon im Hochland verirrt zu haben, da kam endlich der erlösende Wegweiser nach Hvolsvöllur. Wieder auf einer geteerten Straße zu fahren war eine Wohltat. Wir fuhren weiter an die Südküste nach Bakki und übernachteten am kleinen Flughafen. Am nächsten Tag sollte es von hier aus auf die Westmännerinseln gehen.

Tag 4
Am Vormittag kurz nach 11 Uhr hieß es „Sitze aufrecht, Tische nach oben klappen und die Sicherheitsgute anlegen“ und schon waren wir in der Luft. In dem Zwölfsitzer waren außer uns nur noch der Pilot und ein isländischer Fluggast. Somit hatten wir beinahe einen Privatflug und setzen nach ca. 6 Minuten auch schon wieder zur Landung an. Nach kurzer Orientierung auf der überschaubaren Insel machten wir uns zu Fuß mit unserem Gepäck in Richtung Gästehaus auf. Nachdem wir unser Gepäck dort abgeliefert hatten, erkundeten wir erst einmal die Stadt. Da das Wetter einigermaßen gut war, machten wir am Nachmittag eine Bootstour um die Insel. Wir erfuhren viel über den jüngsten Vulkanausbruch und die damit zusammenhängende Vergrößerung der Insel um ca. 2,5 km2. Viele Killerwale (Orcas) sind über Sommer in den Gewässern rund um die Insel zu Hause. Wir kamen in den Genuss, einige von ihnen aus nächster Nähe zu sehen. Zu guter letzt fuhren wir mit dem Boot in eine Höhle und konnten der grandiosen Akustik des Saxophon spielenden Kapitäns lauschen.

Tag 5
Die beiden Vulkankrater Helgafell (226 m) und Eldfell (221 m) warteten auf ihre Besteigung. Zuerst kämpften wir uns auf den Helgafell, der zum letzten Mal vor ca. 5000 Jahren ausbrach und dessen Hänge mittlerweile mit Gras bewachsen sind. Nach dem Abstieg ging es erneut nach oben, der beim jüngsten Ausbruch 1973 entstandene Krater Eldfell wartete auf uns. Auf dem losen Lavagestein kamen wir nur schleppend voran – zwei Schritte nach vorne und einer wieder zurück. Zu unserer Überraschung war der Vulkan noch warm. Wir konnten uns trotz kalten Temperaturen auf den noch warmen Steinen den Popo wärmen. Eine geführte Wandergruppe beobachteten wir dabei, wie sie in einem Loch Brot backten. Auch wir fanden ein kleines dampfendes Loch, an dem man sich ganz schön die Finger verbrennen konnte. Anschließend schauten wir uns noch den schön angelegten Garten Gaujulundur in Mitten des neuen Lavafeldes an.
Abends schauten wir uns im städtischen Kino einen Dokumentarfilm über den Vulkanausbruch 1973 an. Es war dramatisch mit anzusehen, mit welcher Kraft sich die Lava über die Insel rollte und alles unter sich begrub. Ein Großteil der Stadt war unter bis zu 2 Meter hoher Asche verschwunden. Die Insulaner hielten in dieser schweren Zeit zusammen und bauten ihre Stadt und Insel wieder auf.

Tag 6
Da es am Nachmittag mit dem Flieger wieder zurück nach Bakki gehen sollte, mussten wir erst mal unseren Krempel zusammenpacken. Anschließend begaben wir uns noch einmal auf die Suche nach den Spuren des Vulkanausbruchs.
Am Eingang des Friedhofs fanden wir eine Säule, ca. 1,80 m hoch, welche die Höhe der Ascheschicht nach dem Vulkanausbruch zeigt. Danach ging es in das „Pompei des Nordens“. An dieser Ausgrabungsstätte sollen 7 bis 10 von der Asche verschüttete Häuser wieder freigelegt werden.
Am Stadtrand fanden wir einen alten Wassertank, welcher zur Hälfte vom Lavastrom zerstört wurde. Dieser Tank hat die Insel lange mit Frischwasser versogt, bevor eine Leitung von Island nach Heimaey gelegt wurde.
Leider war unsere Zeit auf dieser wunderschönen Insel bald vorbei und wir flogen zurück nach Bakki.
Am Abend machten wir noch einen Abstecher zum Wasserfall Seljalandsfoss, bevor wir unser Nachtlager am Fuße des Skógafoss aufschlugen.

Tag 7
Nach dem Frühstück am tosenden Wasserfall brachen wir zum ältesten 25m Schwimmbecken Islands auf. Das 1923 gebaute Schwimmbad lag versteckt im Tal Raufarfell und nach einer viertel Stunde Fußmarsch waren wir dort und konnten im warmen Wasser entspannen.
Der Regen trieb uns voran und somit war unser nächster Stopp beim Felstor Dyrhólaey in der Nähe von Vík. Wir beobachteten dort noch eine Weile die Papageientaucher und wurden dann leider vom Regen eingeholt und weitergetrieben.
Kurz vor der Gletscherlagune Jökulsárlón konnte sich die Sonne durch die Wolken kämpfen und vor unseren Augen erschien ein riesiger Regenbogen. An der Gletscherlagune hatten wir tolles Licht und wir konnten einige schöne Bilder machen. Leider wollte der Regen nicht aufhören und die Temperatur schoss in den Keller. Bei 2 Grad über dem Gefrierpunkt grillten wir mit Aussicht auf die Lagune und verkrochen uns dann in unser Auto.

Tag 8
Nach dieser unglaublich kalten Nacht wachten wir bei strahlendem Sonnenschein und Windstille direkt vor der Lagune auf. Den ganzen Vormittag verbrachten wir hier mit wandern und fotografieren. Um dann wieder richtig warm zu werden ging unsere Reise weiter nach Höfn ins Schwimmbad und anschließend ins Hummerrestaurant. Frisch gestärkt und aufgewärmt führte es uns noch in ein Tal mit vielen bunten und bröckelnden Bergen. Man fühlte sich wie in einer Mondlandschaft.
Einen schönen Schlafplatz fanden wir direkt am Strand kurz vor Djúpivogur.

Tag 9
Auch dieses Jahr durfte ein Besuch im Steinmuseum in Stöðvarfjörður nicht fehlen. Obwohl wir es schon kannten, waren wir wieder von der Vielfalt der Steine begeistert. Unser nächstes Ziel war die alte Doppelspatgrube in Reyðarfjörður, wo bis ins 19. Jahrhundert Doppelspat für optische Instrumente abgebaut wurde. In der Sonne glitzerten unzählige Doppelspatteilchen an den Steinhängen.

Da wir bisher nur mit dem Flieger von und nach Island gekommen sind, wollten wir mal sehen wo die Autofähre von Dänemark ankommt. Aus diesem Grund haben wir einen Abstecher nach Seyðisfjörður gemacht und konnten einem Kreutzfahrtschiff beim Auslaufen zuschauen.
Da die letzten Nächte sehr kalt waren, gönnten wir uns eine Nacht im EDDA Hotel in der Nähe von Egilsstaðir.

Tag 10
Gut aufgewärmt starteten wir in Richtung Borgarfjörður Eystri. Ungefähr auf halber Strecke entdeckten wir etwas abseits der Straße drei Rentiere mit riesigen Geweihen.
Unser nächster Halt war an einer Schlucht, die ganz versteckt hinter einem Felsvorsprung lag. Ein ganz klarer Bach schlängelte sich hindurch und es gab Unmengen an bunten Steinen.

In der Nähe von Borgarfjörður gibt es einen Papageientaucherfelsen. Hier ist fast alles für Besucher gesperrt, aber man konnte von einer Aussichtsplattform unzählige Papageientaucher vor ihren Nistlöchern beobachten. Gegen Abend sammelten wir am Strand noch ein paar Steine und machten uns auf den Weg zurück nach Egilsstaðir. Von dort aus fuhren wir an den See Lagarfljót im größten Waldgebiet Islands. Dort fanden wir inmitten der Bäume direkt am See einen schönen Campingplatz.

Tag 11

Noch beim Frühstück verirrten sich die ersten Regentropfen in unsere Tassen. Wir bauten noch schnell unser Zelt ab und machten uns auf den Weg ins Hochland. Je höher wir kamen, desto stärker wurde der Regen und die Temperatur sank rapide. Bei einem Stopp am Staudamm Kárahnjúkar hatten wir bereits Schneeregen, viel Wind und +1 Grad. Trotzdem ging es nach einer kurzen Pause weiter in Richtung eines heißen Wasserfalls. 20 Minuten später hatten wir Schneesturm und -1 Grad, und das am 27. Juli. Da wir nicht wussten wie sich das mit dem Schnee entwickelt haben wir unseren Hochlandtrip abgebrochen. Es regnete schon den ganzen Tag und für die nächsten Tage war keine Besserung in Sicht. Aus diesem Grund machten wir uns früher als geplant auf den Weg nach Akureyri.

Resümee
Jetzt ist auch der zweite Teil unseres Urlaubs zu Ende. Wir haben sehr viel gesehen und erlebt, sind gut erholt und können wieder ins Arbeitsleben starten. Den Trip zum heißen Wasserfall werden wir sicherlich noch nachholen.

Viele Grüße
Biene und Thorsten

This entry was posted on Montag, August 3rd, 2009 at 22:31 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

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