Ausflug zwischen Feuer und Eis

Am Samstagmorgen ging es los. Gegen sechs Uhr machten wir uns mit warmen Klamotten und guten Schuhen im Gepäck auf den Weg nach Hvolsvellir. Um die Mittagszeit bezogen wir unsere Unterkunft und stärkten uns noch ein letztes Mal. Dann waren wir nicht mehr zu halten und fuhren ins Tal Fljótsdalur. Wir erreichten den Parkplatz und stellten fest, dass alle großen Autos durch die Furt fuhren und sich weiter ins Tal Richtung Þórsmörk kämpften – wir also hinterher. Nach einigen Kilometern konnten wir den Vulkankegel, der durch den Ausbruch entstanden ist, sehen und bei genauem hinsehen erkannte man auch graue Lavafontänen, die immer wieder in den Himmel schossen.

Wir machten uns an den Aufstieg auf den Berg Þórólfsfell (576m), da wir bis zur Dämmerung den Gipfel ereicht haben wollten. Das Wetter war sonnig und wir kamen schneller voran als wir erwartet hatten. Wir gönnten uns an windstillen Plätzen immer mal wieder kleine Pausen und beobachteten den Vulkan. Je weiter wir Richtung Gipfel kamen um so kälter und windiger wurde es. Die letzten Meter mussten wir uns vorwärts kämpfen, sehr steil über Geröll und jede Windböe brachte uns aus dem Gleichgewicht. Außerdem mussten wir immer wieder durch Staubwolken und sahen fast nicht, wo wir hin gingen. Oben angekommen winkten wir ein bisschen in die dort aufgestellte Webcam und machten uns auch gleich wieder an den Abstieg. Denn in so einem Wind war es unmöglich lange zu warten und dann auch noch schöne Bilder zu machen. Gegen halb sieben erreichten wir wieder unser Auto und fuhren noch ein Stück weiter ins Tal, fanden ein schönes Plätzchen und bauten unsere Kamera auf. Wir sahen die ersten roten Fontänen und mit jeder Minute die es dunkler wurde, wurde der Vulkan beeindruckender und schöner. Lange standen wir da und beobachteten dieses einzigartige Naturschauspiel. Um halb elf reihten wir uns in die Autokolonne ein und machten uns müde, aber absolut begeistert, zurück auf den Weg in unsere Unterkunft.

Am Sonntagmittag ging unsere Mission Vulkan weiter. Mit dem Auto fuhren wir vorbei an Skógar, den Berg hinauf an den Rand des Gletsches Mýrdalsjökull. Dort wurden wir mit wasserdichten, warmen Overalls, Sturmmasken, Helmen und winddichten Handschuhen ausgestattet und los ging es mit dem Snowmobil zum Fimmvörðuháls, der Ausbruchsstelle des Vulkans. Wir kämpften uns durch den Schnee und begegneten immer wieder großen Geländewagen, Quads und vielen anderen Snowmobilen. Zeitweise hatten wir sehr schlechte Sicht und gaben die Hoffnung schon fast auf, den Vulkan zu sehen, aber dann hellte es sich auf einmal auf und der Vulkan tauchte feuerspeiend vor uns auf. Auf einer kleinen Anhöhe parkten wir unseren Schlitten und zu Fuß tasteten wir uns immer näher heran. Es ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art, das Grummeln aus der Tiefe der Erde, das Brodeln der kochenden Lava und immer wieder das zischen der hochschießenden Ausbrüche zu hören und zu sehen. Da der Vulkan schon seit einer Woche geschmolzenen Stein an die Oberfläche befördert, ist ein großes Lavafeld entstanden, aus dem es an verschiedenen Stellen qualmt und die Steine sich immer noch weiterschieben. Zwischen den Steinen kann man auch sehen, dass es innerlich noch glüht und arbeitet.
Anschließend sind wir mit dem Snowmobil noch ein kleines Stück weiter bis an die Stelle, an der sich ein glühender Lavafluß langsam und zähflüssig in die Tiefe stürzt. Dann machten wir uns wieder auf den Rückweg und nach 1,5 Stunden Fahrt waren wir wieder bei unserem Auto.
Am Abend fuhren wir noch einmal in das Tal und bewunderten das Schauspiel in der Dämmerung.

Dieser Ausflug ist bisher das absolute Highlight unseres Islandaufenthalts. Es ist so ein beeindruckendes Erlebnis, die Kraft der Urgewalten so hautnah mit zu erleben und wir können uns jetzt zu den Menschen zählen die einen Vulkanausbruch live miterlebt haben.

Eure Biene und Thorsten

This entry was posted on Montag, März 29th, 2010 at 20:03 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

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