Erlebnisse aus der Aschehölle

Am Donnerstagmorgen hat uns die Abenteuerlust gepackt und wir sind wieder in den Süden zum Vulkan Eyjafjallajökull gefahren.
Schon ab Hveragerði hat man die riesige Aschewolke gut erkennen können und je näher man kam, desto mächtiger hat sie sich vor uns aufgebaut.
Aus Hvolsvöllur konnte man sehr gut beobachten, mit welcher Kraft die Asche aus der Erde schießt und sich immer weiter in den Himmel kämpft. Da wir aber noch näher dran wollten, sind wir in das Tal Fljótshlíð gefahren und ein Stück den Berg Þórólfsfell hoch gewandert. Askja konnte sich nach der langen Autofahrt austoben und wir genossen die Sonne und den Ausblick auf die beeindruckende Aschewolke. Wenn zwischendurch Windstille war, konnte man es im Vulkan immer wieder murren und grummeln hören. Leider zog es sich dann vor dem Vulkan mit Wolken zu und wir sind zurück zum Auto.
Unser Weg führte uns jetzt weiter Richtung Skógar. Man konnte immer wieder in kleinen Täler hineinschauen und stellte erschreckend fest, wie grau die umliegenden Berge geworden sind. Wo normalerweise noch weißer Schnee liegt oder schon grüne Wiesen sind, ist es jetzt einfach nur grau und trist. Die wenigen Farmen, die auf der Strecke liegen, waren ebenfalls mit dem grauen Film überzogen und man sah keine Tiere. Dies ist zu dieser Jahreszeit in Island sehr untypisch, aber die Farmer wurden angewiesen, die Tiere in den sicheren Ställen zu lassen.
In der Ferne konnte man sehr gut erkennen, wo die Asche momentan niedergeht. Es war, wie wenn man auf einen grauen Vorhang zufährt. Es wurde um uns herum immer dunkler und wir fuhren langsam immer tiefer in die Aschewolke hinein. Innerhalb von ein paar hundert Metern war es dann auch so dunkel, dass man nichts mehr sah. Man versuchte angestrengt aus dem Fenster zu schauen um irgendetwas erkennen zu können – aber man sah einfach nichts. Selten sah man mal eine Farm, die direkt an der Straße stand und in der die Fenster hell beleuchtet waren, aber sonst war man einfach nur in einem schwarzen Loch. Nach ca. 10 Minuten Fahrt durch absolute Dunkelheit sah man endlich wieder einen hellen Streifen am Horizont,  es wurde auch sofort von Meter zu Meter wieder etwas heller und man konnte sich endlich ein Bild vom Ausmaß des Ascheregens machen. Auf der Straße lag eine ca. 6 cm dicke Ascheschicht, alle Pflanzen waren mit dem grauen Film überzogen und in der Luft hing die Asche. Um ein paar Bilder machen zu können, schützte sich Sabine mit zwei Halstüchern vor dem Mund, einer Mütze und der Sonnenbrille vor der Asche. Nach wenigen Sekunden hatte sie auf der Haut eine dünne Schicht der kratzigen Asche und war froh, nach ein paar Bildern wieder ins Auto zu dürfen. Draußen hatte sie ein sehr unangenehmes Gefühl, zum einen wegen der Dunkelheit und zum anderen schluckte die Asche sämtliche Geräusche und man fühlte sich ganz einsam in der schwarzen Hölle. Wir sind dann auch direkt wieder durch die absolute Dunkelheit zurück zu unserem Ausgangspunkt gefahren und haben uns auf dem Campingplatz ein schönes Plätzchen für die Nacht gesucht. Dort fühlte man sich sofort auch wieder wohler, da man wieder Tageslicht hatte und frei atmen konnte.
Um 22 Uhr machten wir uns noch einmal auf den Weg in das Tal Fljótshlíð. Wir wollten sehen, wie in der Abenddämmerung die glühenden Lavabrocken aus dem Vulkan geschleudert werden. Es war ein unglaubliches Naturschauspiel. In der Aschewolke entstanden immer wieder große Blitze und kurz darauf donnerte es. Es waren aber keine normalen Donnerschläge, sondern es bekann mit einem leisen grollen und wurde zwischen den Bergen immer lauter und bedrohlicher. Wir beobachteten noch eine Weile die glühenden Lavabrocken und fuhren dann zurück in unser Nachtlager.
Am nächsten Morgen wachte Sabine um 6.15 Uhr auf, da leise der Regen auf das Auto prasselte. Sie dachte, auf der Scheibe ist nur die Asche vom Vortag, die sich mit den Regentropfen vermischte und schlief noch etwas weiter. Als wir aber ca. eine halbe Stunde später wieder aufwachten, konnten wir nicht mehr aus den Scheiben schauen. Das ganze Auto war mit einem schwarzen Schlamm überzogen. Wir bekamen nicht direkt Angst, aber wohl war uns bei diesem Anblick auch nicht und wir packten sofort das Auto um, damit wir losfahren konnten. Im Toilettenhaus holten wir in leeren Flaschen 8 Lieter Wasser und spülten unsere Windschutzscheibe frei, damit wir überhaupt etwas sehen konnten und los ging unsere Fahrt. Wir wollten einfach nur noch weg, irgendwohin wo es keinen schwarzen Schlamm regnete. Die Fahrt war sehr beschwerlich, da man so schnell nicht wischen konnte wie es wieder dunkel wurde. Nach einigen Kilometern merkte man aber, wie der Regen etwas flüssiger wurde und kurz darauf kam auch tatsächlich wieder Wasser vom Himmel. In Selfoss an der Tankstelle befreiten wir erst einmal unser Auto von dem Ascheschlamm und erholten uns von diesem Schock am frühen Morgen bei einer Tasse Kaffee und einem guten Frühstück. Den Rest des Tages verbrachten wir in Reykjavik beim einkaufen.
Am Abend fuhren wir zum Übernachten nach Þingvellir, selbst von dort konnte man problemlos die Aschewolke sehen. Wir machten mit Askja noch einen großen Spaziergang und gingen vor lauter Erschöpfung schon früh schlafen.
Morgens machten wir uns dann noch einmal auf in das Aschegebiet. Wir fuhren wieder durch die Aschewolke, diesmal war sie aber nicht so dunkel. Alles war in leicht gelbes Licht getaucht und man hörte die Aschestückchen aufs Auto prasseln. Der Wind verwirbelte sehr viel Asche und es war auf einer Strecke von fast 100 km überall Asche in der Luft. Bei unserem Ziel Vík í Mýrdal war eine große Aufräumaktion. Ziel der Einwohner war es, an diesem Wochenende alle Häuser der Stadt von außen von der Asche zu befreien. Überall sah man Feuerwehrautos, die fleißig am helfen waren und jeder machte sich an seinem Haus zu schaffen.
Gegen Nachmittag machten wir uns dann auf den Rückweg nach Akureyri, denn wir wollten nicht noch eine Nacht in dieser Aschehölle verbringen.

In diesem Bericht haben wir versucht zu erzählen, wie wir das ganze Aschechaos empfunden haben, aber so ganz realistisch kann man das nicht beschreiben. Man findet für so vieles einfach gar keine Worte, es brechen über einen so viele Gefühle herein, die man nicht aufschreiben kann. Es war für uns ein einmaliges Erlebnis, aber noch mal möchten wir so etwas nicht ausgesetzt sein und wir haben einen großen Respekt vor den Menschen, die jetzt schon seit einem Monat dort unten immer wieder für sich und ihre Tiere ums Überleben kämpfen und sich nicht unterkriegen lassen.
Schaut euch die Bilder an, die erzählen es vielleicht sogar noch besser als der Bericht.

Viele Grüße

Biene und Thorsten

This entry was posted on Sonntag, Mai 16th, 2010 at 20:23 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

4 Responses to “Erlebnisse aus der Aschehölle”

  1. eule70 Says:

    Wahnsinn! Und für uns ist das irre, in den Videos Eure Fahrt mitzuerleben. Danke dafür.

  2. eule70 Says:

    Immer “mitgefahren”, auf den Idioten, der mit Fernlicht ankam, geflucht, und jetzt die Frage: hattet Ihr keine Angst um Euren Motor in der Wolke? Seid Ihr mit normalem Luftfilter gefahren oder habt Ihr einen Zyklon-Filter?

  3. Geli Says:

    Hallo nach Island – bin auf Euren spannenden Blog gestoßen über blog-snaefell … aus interesse, ob ich es wagen soll, in 2wochen meinen irland ulraub anzutreten ( keine lust auf never come back storry ;-)) ..hab ich mich mehr mit dem Vulkan beschäftigt und egal, ob ich nun nach Irland fliege oder nicht, werde ich das weiterverfolgen. Witzigerweise, wollten wir eigentlich einen Flug nach Island buchen.
    Viele Grüße aus Franken !! Geli

  4. Charlotte Spengler Says:

    Hallo Biene und Thorsten,
    Ich bin gerade von einer Island-Reise zurückgekehrt. Thorsten, in Heimaey habe ich bei der Wanderung auf den Vulkan Eldfell deine Eltern getroffen und die Webadresse bekommen.
    Danke für die hautnahen Bilder und Infos zum Vulkanausbruch.
    Werde gerne weiter die News von euch lesen.
    Grüße aus Stuttgart von Charlotte